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Lautten Compagnay: „Auf der Suche nach der Besten Welt“. Eine Zeitreise ins Schlosstheater Schwetzingen.

Zeitreise-Tagebuch

Heute verließ ich, in heiterer Stimmung, die geliebte Residenzstadt Mannheim, um mich in die Winterfrische nach Schwetzingen zu begeben, allwo Seine Durchlaucht, der Churfürst, gleich einem weisen Gärtner über Flora und Apoll waltet.

Je näher man dem Schlosse kommt, desto deutlicher sieht man, wie hier Muse und Schönheit einen feinen Bund geschlossen. Carl Theodor und Nicolas de Pigage, von Gott geküsste. Da stehen Marmorgötter, still und überlegen, zwischen Hecken von geometrischer Tugend; da tanzen Fontänen, als wollten sie zum Takt einer unsichtbaren Musik emporspringen. Ich wandelte unter den Treillagen, ehe ich den Weg zum Theater einschlug.

Wie trefflich ist dieses Haus geraten! Nicht groß, doch edel; nicht prunkvoll, doch von solcher Zierde, dass es jedem Freund der theatralen Kunst das Herz erfreuet.

Bald trat die Lautten Compagney auf und nahm ihre Plätze mit feierlicher Ruhe ein. Ich gestehe, mein Herz schlug ein wenig schneller, da ich den ersten Akkord vernahm: eine sanfte Entfaltung von Laute, Traversflöte und Oboe, die den ganzen Saal in süßes Schimmern tauchte.

Man spielte Telemann, bald in herzbewegender Empfindsamkeit, bald in possierlicher Laune; sodann Händel, dessen Ernst und Majestät die Sinne in eine Art wohlgeordneten Taumel versetzten; später Rameau und Rebel, deren französischer Sinn das Ohr mit Licht und Bewegung füllte. Ich dachte mir: Wenn es wahr ist, daß Musik die Sprache der Götter sei, so müssen sie heute recht beredt gewesen sein.

„Komm, du schöne und freie Göttin,
von den Himmlischen Euphrosyne,
von der Sterblichen leichtherzlichen Fröhlichkeit genannt,
eine der drei Grazien,
die die liebreizende Venus,
dem Efeubekränzten Bacchus gebar.“


Georg Friedrich Händel: „L’Allegro, il Penseroso, ed il Moderato“ (HWV 55), deutsch: Der Fröhliche, der Gedankenvolle und der Maßvolle.

Zur Aufführung

„Auf der Suche nach der besten Welt“ lädt ein zu einer Reise in jene Zeit, als Vernunft und Lebenslust das Denken der Menschen bestimmten. Barocke Klänge von Telemann, Händel, Rebel und Rameau entfalten ein Panorama zwischen Stadtglanz und Landidylle, zwischen Erkenntnisdrang und Sehnsucht nach Natur. Telemanns „Landlust“ besingt die Einfachheit, die Freiheit und das Vertrauen, das im Einklang mit der Erde wurzelt. Wie einst seine Musik die Fragen der Zeit stellte, so berührt sie auch heute unser Nachdenken – über Wandel, Verantwortung und die Kunst, im Einklang mit der Welt zu leben. In diesem Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft öffnet die Lautten Compagney einen Raum, in dem barocke Stimmen neue Horizonte zeichnen.

Schlosstheater Schwetzingen

Das frühklassizistische Schlosstheater Schwetzingen ist Teil des Schwetzinger Schlosses. Es ist das älteste erhaltene Rangtheater weltweit und das älteste erhaltene Theater in Baden-Württemberg.

Lautten Compagney

Die Lautten Compagney ist eines der bekanntesten und kreativsten deutschen Ensembles für Alte Musik und erhielt 2025 erneut den Opus Klassik als „Ensemble des Jahres“ für ihr innovatives künstlerisches Schaffen.

Besetzung

  • Musikalische Leitung und Theorbe: Wolfgang Katschner
  • Sopran: Johanna Kaldewei
  • Traverso: Mathias Kiesling
  • Oboe: Noelia Melian Cruz
  • Violine: Anne von Hoff, Katharina Arendt
  • Viola: Lea von Cube
  • Violoncello; Jule Hinrichsen
  • Kontrabass: Johannes Ragg
  • Cembalo: Mimoe Todo
  • Lesung: Imogen Kogge

Stay blogged. 😎

Dein Matthias Düsi