Matthias Brandt mit dem Berliner Ensemble bei den Festspielen Ludwigshafen in „Mein Name sei Gantenbein“ von Max Frisch.
Mit einem Soloabend kehrt Matthias Brandt nach zwanzig Jahren Bühnenabstinenz eindrucksvoll zurück – und das mit einem Stoff, der wie geschaffen scheint für seine nuancierte Schauspielkunst: Max Frischs Roman „Mein Name sei Gantenbein“, in einer Bühnenfassung von Oliver Reese.
Ein Mann, viele Geschichten
In Ludwigshafen präsentiert Brandt einen Mann, der nach dem Scheitern einer Beziehung in einer leeren Wohnung sitzt und versucht, seine Erfahrung zu begreifen – indem er Geschichten erfindet, sie „wie Kleider“ anprobiert. Die Bühne, ein Guckkasten mit abgerundeten Ecken (Bühnenbild: Hansjörg Hartung), wird zum Resonanzraum für Brandts facettenreiches Spiel. Er rennt gegen Wände, versinkt in Einsamkeit, wechselt Identitäten – und bleibt dabei stets präsent, intensiv und kontrolliert.
Brandt gelingt es, die existenzielle Tiefe des Romans zu erfassen, ohne in Pathos zu verfallen. Er spielt mit der Ambivalenz der Figuren, mit der Ironie und Tragik, die Frischs Text durchziehen. Dabei zeigt er einen verzweifelt Suchenden, der sich virtuos durch die Möglichkeiten des menschlichen Daseins bewegt.
Oliver Reese inszeniert mit klarem Blick
Oliver Reese inszeniert den Monolog als psychologisches Kammerspiel, das die Frage nach Identität und Wahrheit ins Zentrum rückt. Die Reduktion auf wenige Requisiten und die Konzentration auf Brandts Spiel lassen Raum für Reflexion – über das Erzählen selbst, über die Konstruktion von Wirklichkeit und über die Freiheit, sich neu zu erfinden.
Theater, das denkt und fühlt
„Mein Name sei Gantenbein“ in Ludwigshafen war ein Abend für Kopf und Herz. Ein kluges Solo, das Frischs literarische Tiefe erfahrbar macht – und Matthias Brandt als Bühnenkünstler neu entdeckt.
Stay blogged. 😎
Dein Matthias Düsi