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Quelle: wikipedia

Das erste Mal
Das erste Mal in der Schweiz und das gerade in der Zähringer- und Hauptstadt Bundesstadt Bern.

Wie bei einer Reise nach zum Beispiel Afrika muss man sich im Vorfeld Gedanken über Reisestecker und Währungstausch machen. Gleich nach Grenzüberschreitung waren nicht nur die anders gestalteten Bahnsteige, die verminderte Zuggeschwindigkeit und die Zollbeamten erste Indikatoren für den Übertritt in die letzte freie Bastion Europas, die manch einen nicht zu Unrecht an „ein kleines gallisches Dorf (nicht zu verwechseln mit dem ostgalizischen Eierfall), das bis zuletzt Widerstand leistete…“ erinnert. Nein, sofort wurde der ICE-Innenraum unter zu Hilfenahme eines Akkubesens gereinigt. In Sachen Gründlichkeit will man den Deutschen in nichts nachstehen.

ß
In einem deutschsprachigen Land ohne ß Zeitung zu lesen ist recht gewöhnungsbedürftig.
Du
Die Schweizer beziehungsweise Berner sind, so zumindest die eigene Erfahrung, sehr zugänglich. Anders, als in der Stadt der Reichsparteitage, wird dies nicht durch den weiblichen Nachwuchs wenig hemmungsvoll ausgeübt, sondern verhalten und professionell praktiziert. Die Zugänglichkeit zeichnet sich hier vielmehr in penetranter Freundlichkeit, charmantem Lächeln, einer stetigen Gemütsruhe und dem ewigen DU aus. Kommt man in Deutschland, ob der Tatsache in seiner Stamm-Studentenkneipe irgendwann versehentlich gesiezt zu werden, in suizidale Stimmung, so deplaziert kommt einem das ewige Dusagen andererseits in einem fremden Land, dort auf dem Wochenmarkt, in der Kneipe und dem immerhin mehrsternig prämierten Hotel vor. Ist man daran gewöhnt, ist es irgendwann: sympathisch. Echt jetzt.

Unverbindlichkeit
Es scheint in der Natur der Schweizer zu liegen, unverbindlich zu sein. Siehe dazu nur: Kantönligeist oder die Hauptstadtfrage. Die Sache mit der „Hauptstadt“ klingt so verbindlich, dass man sich lieber eine Bundesstadt kreiert und, sobald eine Stadt als Bundesstadt erkoren wurde, die anderen in Frage kommenden Städte entsprechend entschädigt.

Diese, durchaus auch erstrebenswerte, Grundhaltung scheint sich im Berner an sich manifestiert zu haben. Eine klare Empfehlung, was z. B. einen Restaurant- oder Ausflugstipp, Sehenswürdigkeiten oder eine schmackhafte Speise auf der Speisekarte betrifft, wird diplomatisch umschifft. Auch Flaschen oder Dosen werden nicht so verbindlich verkauft, dass man sie zurückbringen müsste. Weiterhin widerstrebt es der Unverbindlichkeit der Berner, ein Rauchverbot in Speisegaststätten zu verhängen. Hier werden Hinweisschilder bevorzugt, die darum Bitten, in vorgeschlagenen Zeiträumen lieber nicht zu Rauchen. Verbindlichkeit findet man allerdings in Bereichen, die das Autofahren betreffen. Siehe Vignette, die genialen Parkuhren peterpanch.wordpress.com bzw. die Regelungen über das Parkieren in der Innenstadt der Stadt Bern.

Verbot
Schaut euch in Bern mal um. Vom Parkieren (bitte erneut lesen: Parkieren) über das Betreten oder Handeln, alles wird untersagt. Diesmal gar verbindlich. Und wenn, dann mit deutscher schweizer Gründlichkeit. Es klingt wie eine Übertreibung, das höchste Obacht geboten ist, will man nicht alle 50 Meter über ein Verbotsschild stolpern. Ist aber so.

Sightseeing
Zum Gucken und Schönfinden – und hier ist nicht nur die einheimische weibliche Bevölkerung gemeint – bietet Bern einiges. Man muss es nur zu finden wissen. Daher der Tipp: Rauf aufs Rad und die Stadt inklusive Umland erkunden, ihr werdet angenehm überrascht werden. Erwähnungen sollen beispielhaft der Rosengarten, die Altstadt, die Brunnen der Altstadt, das Bankenviertel, die Brücken, das Münster und die Münsterplattform, das Aareufer und das Historische Museum (Einsteinmuseum) Bern finden.

Wer touristische Superlative und Euphemismen sucht, ist mit den diversen Touriunterlagen, die Bern Tourismus auch gerne auf Anfrage verschickt, bestens bedient. Gerade was die Kneipen-/Bar-/Lounge-Welt betrifft, ließ unser „Night-Guide“ keine Übertreibung aus, um die versiffteste Kneipe, ja, auch die gibt es in der sonst schönen Stadt Bern, als attraktives Ziel aussehen zu lassen. Was das Nachtleben angeht, verschaffte die Lektüre des ADAC Reiseführers während des ersten Frühstücks im Hotel Klarheit: „Wer eine moderne, fast rund um die Uhr belebte Großstadt mit dem Flair der großen weiten Welt erwartet, wird enttäuscht oder beglückt sein: Die Hauptstadt der Schweizerischen Eidgenossenschaft ist ein beschauliches Pflaster. Böse Zungen behaupten: »In Bern läuft ja nichts!« Die meisten Einheimischen dagegen, aber auch jene Gäste, die Ruhe und Gemütlichkeit suchen, malerische Gassen und schöne, alte Bauten lieben, sind da ganz anderer Meinung.“ (Link für Mitglieder). Und genau so war es:

Gemütlichkeit
Die Gemütlichkeit der Landsleute wirkt trotz straffen Programms höchst ansteckend. Kaum ist man an das Du und daran, dass die meisten Kneipen ab 23 Uhr und die Uni samstags geschlossen sind, gewöhnt, greift man sich ein gutes Stück Gemütlichkeit und sucht den ultimativen Chillout XXL (apropos Superlative). Wo könnte „der Chillout schlechthin“ eher gefunden werden, als in einer Stadt, die nicht nur durch naturelle und architektonische Schönheit hierzu einlädt? Nicht umsonst gibt es in Bern die kürzeste Standseilbahn Europas, die immerhin eine Höhendifferenz von 31 m mit einer Geschwindigkeit von 3 m/s bewältigt, was zu Fuß, zugegeben, unzumutbar wäre (Infos zur Marzilibahn). Ebenso gibt es einen Freiluftaufzug (bzw. Senkeltram, Mattenlift) in Bern, der die Schwindel erregende Höhe von 31, diesmal Komma 5, Meter bewältigt. (Infos zur Senkeltram auf Wiki, auf matte.ch und ein Bild von Flickr.com). Das Schnellste, auch wenn sich der Schnellste Europas in Berlin, im Kollhoff-Tower befindet, und das ist kein Witz, in Bern sind die Personenaufzüge. Auf diese bin ich regelrecht neidisch. Recht verbindlich sogar. Empfehlungen zum Thema Gemütlichkeit sind unter anderem: Schlendern durch die Altstadt, durch diverse Museen, ein Besuch des Kornhauses und insbesondere ein Essen oder einige Getränke an einer der Bars im Kornhauskeller, einen Besuch im Ono Bern (wir sahen dort ein Konzert der Damaris Rose Group), die Einnahme einiger frisch gebrauter Biere im Alten Tramdepot (Achtung: Essenszeiten beachten, die „grossi charte“ gibt es nicht zu jeder Zeit), selbst ein Besuch im MCDonald’s in der Neuengasse (glaube ich) ist mit seinen Restaurantteilen: Restaurant, Café, Lounge, Musikstationen und dem fast leer stehenden großen Zimmer mit Stuckdecke einen Aufenthalt wert, ein Besuch inkl. Kaffee mit der prächtigen Aussicht auf der Münsterplattform, selbiges gilt für das Restaurant Riviera Bern, Schlendern/Sitzen am Aareufer und wo es einem beliebt in die Aare springen und andererorts wieder aussteigen, ein Besuch auf dem Gurten et cetera pp.

Resümee
Die Schweiz, bzw. Bern war und ist absolut einen Besuch wert. Sicher bleibt die Bundesstadt nicht der einzige Besuch in dem charmanten Land, das es verdient von deutscher Seite nicht stets verniedlicht gesehen zu werden. Sehenswürdiges ist genug vorhanden, viele Plätze, Orte und Stellen laden zum relaxen und extremchillen ein. Kulturelles und Politisches bietet sich jedem, der es mag. Das Nachtleben möchte gefunden werden, es drängt sich einem nicht auf, hat man es aufgespürt, lohnt es sich dafür umso mehr. Die drei langen Hauptgassen der Altstadt sollten mehrmals und jeweils tagsüber und nachts begutachtet werden, es lohnt sich. Mir bleiben schöne Erinnerungen an eine unscheinbare und doch spektable Stadt, die sich ihres einzigartigen Charakters und ihrer Bewohner wegen einen Platz in meinem Herzen sicherte.

Stay blogged. 😎

Euer Matthias

Weiterführende Links:
wikipedia.org/wiki/Schweizer_Franken
g26.ch/berninfo.html
matte.ch/index.htm
aaremarzili.info
wikipedia.org/wiki/Aare
Historisches Lexikon der Schweiz
Büsingen am Hochrhein