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Lebenszeilchen

Weihnachtsbrief 2007

Grüß Gott liebe Leserinnen und Leser,

ich heiße euch zum diesjährigen Weihnachtsbrief Nummer 6 willkommen und stelle meine Wünsche gleich voran: euch ein gesegnetes Weihnachtsfest und in eurem Sinne ausgestaltete Weihnachtstage.

Dieses Jahr besuchte ich zwei Mal die bayerische Landeshauptstadt München und lernte dort den Gruß „Grüß Gott“ erneut kennen. „Grüß Gott beim offiziellen Stadtportal für München“ heißt es selbst auf der Startseite der Internetpräsenz der Landeshauptstadt. Das Deutsche Universalwörterbuch1 beschreibt die Bedeutung eines Grußes unter anderem mit „Gebärden als Höflichkeits- oder Ehrerbietungsbezeigung zwischen Personen beim Zusammentreffen“. Das Synonymwörterbuch2 zählt unter „grüßen“ unter anderem „seine Referenz erweisen“ auf. Im Schiller-Wörterbuch3 lesen wir, dass „grüzen“ das Intensivum zu grüßen ist und „jemanden segnen“ bedeutet. Wie wichtig eine Begrüßung ist, sehen wir mithin daran, wie Mitmenschen auf Begrüßungen unsererseits reagieren. Eine herzliche Begrüßung wird in der Regel ebenso erwidert.

Das geradezu hartnäckige Grüß Gott, wenn es auch nicht immer katholisch oder religiös gemeint ist, gerade in München mit einem Bevölkerungsanteil von immerhin 46,3 % Nichtchristen4, lies mich aufmerken. Gott segne dich ist doch eine charmante Begrüßungsformel.

Zu beobachten ist, dass Esoterik, Okkultismus, New-Age-Feng-Shui et cetera zusammen mit deutschen Ministern, die ihren Eid ohne Bezug auf Gott abschließen5, erneut stark in Mode geraten. Die Lebensausgestaltung und -weisung wird lieber in die Hände von Fernsehkartenlesern, Edelsteinen und der „richtigen“ Anordnung des Gemüsevorrats im Schlafzimmer zur Optimierung des Koitus gelegt, statt sich auf sich selbst und die Gegenwart Gottes zu besinnen. In buddhistischen Zentren wird plötzlich die erhoffte Gemeinschaft gefunden, die in der christlichen Gemeinde nie gesucht wurde. „[…] Auch die großen religiösen Traditionen Asiens, vor allem seine im Buddhismus ausgedrückte mystische Komponente erheben sich als geistige Kräfte gegen ein Europa, das seine religiösen und sittlichen Grundlagen verneint. […]“ Schreibt der ehemalige Kardinal Ratzinger in seinem Buch „Werte in Zeiten des Umbruchs“6. In den Adventswochen laufen die obligatorischen Befragungen von Passanten mit Basisfragen zum Weihnachtsfest im Radio und Fernsehen. An Weihnachten wird plötzlich Jesus gekreuzigt und Jesus´ Geburtsdatum wird ins 19. Jahrhundert verlegt. Das Repräsentativsein dieser Umfragen sei dahingestellt, die Antworten sind deshalb nicht weniger erschreckend.

Arbeitete ich im Weihnachtsbrief 2005 noch den „säkularisierten Geist der Weihnacht“ auf7, mag ich in diesem Jahr bewusst das christliche Weihnachten, freilich nicht unter Außerachtlassung der Importanz des Respekts Andersgläubigen gegenüber, in den Vordergrund stellen. „Manche fangen an, den Weihnachtswunsch zu unterdrücken und nur „gute Festtage“ oder einen „guten Rutsch“ wünschen. […] Die Rücksicht auf diejenigen, die keine Christen sind, verpflichtet uns nicht zu solchen Verrenkungen. Muslime jedenfalls würden über solche Zaghaftigkeit nur lachen. Sie lassen jeden wissen, dass sie den Ramadan feiern, und erwarten unseren Gruß zum Fastenbrechen. Deshalb dürfen, ja sollen auch wir über die eigenen Wurzeln reden. Weihnachten zu verschweigen und es trotzdem zu feiern “ das ist offenbar daneben.“ Schreibt Wolfgang Huber in einer Kolumne im Dezember 20068.

Besinnen wir uns auf unsere Wurzeln und unsere Identität. Sinnieren wir über die Menschwerdung Gottes und sein Zeichen der Liebe. Machen wir uns bewusst, was wir an Weihnachten feiern, warum wir frei haben und welches Geschenk uns gegeben wurde.

Euer Matthias

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1 DUDEN, 4. Auflage 2001
2 DUDEN, 3. Auflage 2004
3 de Gruyter Frühhochneudeutsches Wörterbuch, Band 7, Lieferung 2, 2004
4 Zum 31.12.2006 Angabe vom Statistischen Amt München http://www.mstatistik-muenchen.de/themen/bevoelkerung/jahreszahlen/jahreszahlen_2006/p-jt070113.pdf
5 „Das schwöre ich, so wahr mir Gott helfe.“
6 Herder, 1. Auflage 2005
7 beide Seiten des Weihnachtsfestes sind wichtig
8 http://www.ekd.de/aktuell/061222_huber_kolumne_bz.html