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Lebenszeilchen

Vermisst

Seit ich weiß, dass es eine Präzisionsklinge (auf deutsch: Precision Trimmer blade) nicht nur im Fechtsport, sondern auch bei geschickt vermarkteten Rasierern gibt weiß ich, dass sie mir fehlt.

Nur weiß ich noch nicht so recht, was mich als Mann mehr anspricht: eine Präzisionsklinge in zweifelhaften Farbkombinationen, für die es sogar noch ein Batterieunterstützungsupdate (Gilette gehört u.a. die Firma Duracell, schon gewusst?) gibt – und wir wissen ja: Strom, Knöpfe alles verdammt männlich – oder ob es titanbeschichtete superscharfe Klingen sind. Titan: männlich. „So zart war Härte noch nie“, „geschmeidige Kraft“ oder „handzahme schärfe“ schallt es einem von der Internetpräsenz der Quattro-Titanium Klinge entgegen. Genau für den jungen Mann von heute gemacht. So wie wir aufwuchsen, dürfen wir an Männlichkeit keinesfalls einbüßen, im Gegenteil, dürfen jedoch handzahm sein. Wir müssen Bier trinken, uns unentwegt in der Öffentlichkeit an Gesäß und Geschlechtsteil kratzen, rülpsen und Ballsportarten mögen, das alles nur, um der oktroyierten Rolle gerecht zu werden; da sagt noch mal einer, weibliche Modells hätten es so wahnsinnig schwer.

Der moderne Mann muss männlich sein. Deswegen werden Alpha-Diamond-beschichtete, sich dreidimensional bewegende Klingen, Präzisionsklingen und Titaniumklingen erfunden und der Adonismann (jaaa, so was stellt uns Männer unter Druck, bisher dachten wir, dass für Frauen nur zähle, wie witzig Mann sei) öffnet in der Hautcremewerbung seine Cremeflasche mit einem Feuerzeug. Männer und Hautcreme? Doch, in engen Jeans und mit einem Feuerzeug ist das auch männlich, so wird es jedenfalls suggeriert. Ich werde mich das nächste Mal in der Umkleidekabine nach dem Duschen bei den anderen Männern erkundigen, ob mir jemand seine Feuchtigkeitscreme geben kann, da ich meine vergessen habe. Ich bin auf die Reaktionen gespannt. Der Mann von heute hat es schwer, neben der Männlichkeit, die es zu bewahren gilt, darf er nun auch rosa Hemden tragen und muss für alles Verständnis haben, das ist verwirrend. Hinzu kommen Entscheidungen über Präzisionsklingen und Titaniumklingen. Neben der Aufmerksamkeit der Auto- und Brauindustrie, mit der Mann selbstsicher umgehen kann, wird er nun noch von der Kosmetik- und Körperpflegeindustrie behelligt.

Optik, Haptik sowie Rasurkomfort sind beim Quattro Titanium nahezu unschlagbar, sogar noch besser als beim altmodischen Vorgänger, den ich schon gerne benutzte. Wir kennen alle das männliche Schwanzvergleichsyndrom. Wenn es einen Rasierer mit 5+1 Klingen gibt, schafft allein die Anzahl der Klingen Anreize, damit der handelsübliche Mann ihn zumindest ausprobieren wird. Wir die Anzahl der Klingen jemals die PS Zahl als Männlichkeitsindikator ersetzen können? Gillette gibt zu verstehen: ja.

Mann hat´s eben nicht leicht.

Stay blogged. 😎